Steuertipps

 

Steuerliche Überlegungen zum Jahreswechsel für Privatpersonen

Was kann im alten Jahr noch geregelt werden?

ü  Freiwillige Abgabe einer Einkommensteuererklärung – Fristablauf 2013!

Bürger, die unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, aber nicht verpflichtet sind, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, können einen Antrag auf Veranlagung zur Einkommensteuer durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung stellen, die sogenannte „Antragsveranlagung“. Dies betrifft in der Regel Arbeitnehmer und macht Sinn, wenn mit einer Steuererstattung gerechnet werden kann. Auch Rentner, von deren Kapitaleinkünften Zinsabschlagsteuer einbehalten wurde, können damit überprüfen lassen, ob sie nicht bereits zu viel Steuern gezahlt haben. Die Festsetzungsverjährung für die freiwillige Abgabe einer Einkommensteuererklärung beträgt vier Jahre. Damit kann in diesen Fällen nur noch bis zum 31.12.2017 eine Erklärung für das Jahr 2013 abgegeben werden.

ü  Antrag auf Verlustfeststellung - Verjährung

Wurde keine Einkommensteuer gezahlt, und es besteht auch keine Abgabepflicht, ist zu prüfen, ob steuerliche wirksame Verluste erzielt wurden, die es zu sichern gilt, um diese mit Einkünften in den Folgejahren oder ggf. mit dem Vorjahr zu verrechnen. Dies trifft beispielsweise bei Durchführung einer zweiten Berufsausbildung, eines Aufbaustudiums oder überhaupt eines Studiums nach vorangegangenem Abschluss einer Lehrausbildung zu. Bei den hier entstehenden Ausbildungskosten (Semestergebühren, Lehrgangsgebühren, Fachliteratur, Arbeitszimmer, Fahrtkosten zu Seminaren und Lerngemeinschaften etc.), handelt es sich um Werbungskosten, die im direkten Zusammenhang mit später zu erzielenden Einnahmen stehen. Die Aufwendungen sind zu ermitteln, und es ist eine Einkommensteuererklärung (Formular) abzugeben. Wichtig, auf der Formularseite 1, oben, muss das Feld „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrages“ angekreuzt werden, um zu einem Verlustfeststellungsbescheid zu gelangen. Wurden im Vorjahr Steuern gezahlt, kann der Verlust auf das Vorjahr zurückgetragen werden. Ansonsten erfolgt der Vortrag in die Folgejahre. Ein so festgestellter Verlust von 5.000€ kann dann in den Folgejahren beispielsweise bei einem Grenzsteuersatz von 35% zu einer Steuererstattung von 1.750€ führen. Die Verjährungsfrist zur Antragstellung ist im Einzelfall zu prüfen. Wichtig ist, dass für das betreffende Jahr des Verlustes bisher noch keine Einkommensteuererklärung abgegeben wurde, bzw. dieser Bescheid noch nicht bestandskräftig ist. Für diese Fälle kann auch noch ein Antrag für frühere Jahre (bis zu sieben Jahre) abgegeben werden.  

ü  Lohnsteuerklasse und Freibeträge noch korrekt?

Verheiratete sollten überprüfen, ob die Wahl der Steuerklassenkombination noch richtig ist (4/4 oder 3/5). Zuviel gezahlte Steuer kann zwar über die Einkommensteuererklärung zurückgefordert werden, aber bei Arbeitsplatzverlust oder Krankheit kann die falsche Steuerklasse zu erheblichen finanziellen Einbußen führen. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld und andere Lohnersatzleistungen orientiert sich meist am Nettoentgelt des Betroffenen. Durch die Steuerklassenwahl und die Eintragung von Freibeträgen kann das Nettoentgelt positiv beeinflusst werden. Wichtig: Erfolgt bei Verheirateten / Lebenspartnerschaften eine Trennung noch vor dem 1.1.2018, so besteht ab 2018 kein Anspruch mehr auf die Steuerklassenkombination 3/5. Auch ist zu prüfen, ob die Voraussetzung zur Eintragung von Steuerfreibeträgen (Antrag auf Lohnsteuerermäßigung) noch bestehen oder erstmals vorliegen. Der Antrag kann für zwei Jahre gestellt werden und ist dann ggf. neu zu stellen. Alleinerziehende haben Anspruch auf die Steuerklasse 2 und nutzen damit den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Dieser Anspruch besteht jedoch nicht mehr, sobald ein Lebenspartner oder ein anderer Erwachsener zum Haushalt gehört. Hinweis: Arbeitnehmer sind verpflichtet ihre Steuerklasse ändern zu lassen, sobald die Voraussetzungen für die Gewährung von Steuervergünstigungen nicht mehr vorliegen.

 ü  Einnahmen und Ausgabenverschiebung

Das Verschieben von Einnahmen in spätere Zeiträume und das Vorziehen von Ausgaben in das aktuelle Steuerjahr kann in einer Reihe von Praxisfällen sinnvoll sein und im Einzelfall zu einigen tausend Euro Steuerersparnis führen.

Starten wir mit dem Erhalt einer Arbeitnehmerabfindung, die zum ermäßigten Steuersatz nach der sogenannten Fünftelmethode besteuert werden soll. Hier kommt es für die Höhe der Besteuerung dieser Abfindung auf die übrigen Einkünfte des Steuerpflichtigen an. Ist er beispielsweise Eigentümer eines Mietshauses oder einer Eigentumswohnung, die vermietet ist, könnte durch ein Vorziehen von Ausgaben der Steuersatz im Jahr der Abfindung abgesenkt werden. Dies ist auch von Vorteil, soweit die Fünftelmethode nicht zur Anwendung kommt. Ziel ist es, den Grenzsteuersatz im Jahr der Abfindungszahlung zu senken. Auch die Einnahmeverlagerung durch legale Auswahl eines anderen Auszahlungszeitpunktes gilt es hier abzuprüfen.

Der Werbungskosten / Arbeitnehmerpauschbetrag liegt bei 1.000 €. Wird dieser zum Beispiel bereits durch die Fahrtkosten (Entfernungspauschale) überschritten, lohnt es sich auch noch im alten Jahr Ausgaben für Arbeitsmittel, Seminare etc. zu tätigen. Ansonsten können diese auch in das nächste Jahr verschoben werden. Wichtig: Der sofort abzugsfähige Betrag für geringwertige Wirtschaftsgüter wurde von 410 € ab 01.01.2018 auf 800,00 € angehoben. Insoweit kann es von Vorteil sein die Anschaffung eventuell erst im Folgejahr durchzuführen, um dann den vollen Werbungskostenabzug zu erhalten.

Die steuerbegünstigten Handwerkerarbeiten und Dienstleistungen rund um den Privathaushalt sind durch Höchstbeträge begrenzt (Lohnanteil: 6.000 € p.a.). Hier kommt es jedoch auf den Zeitpunkt der Zahlung und nicht auf den Zeitpunkt der Ausführung der Arbeiten an. Insoweit ist bei Handwerker- und Dienstleistungen im Privathaushalt, die sich über den Jahreswechsel strecken, zu prüfen, inwieweit durch Anzahlungen oder Verschiebung der Schlusszahlung die steuerlichen Höchstbeträge besser ausgenutzt werden können.

Bei den außergewöhnlichen Belastungen wie Arztaufwendungen, Zahnersatz, Brille, Scheidungskosten etc. ist jeweils die zumutbare Eigenbelastung in Abzug zu bringen.  Aus diesem Grunde sollten die Zahlungen hierfür in einem Jahr zusammengefasst und nicht auf zwei Jahre verteilt werden. Es ist ungeschickt, wenn Ehegatten ihre altersbedingten und preisintensiven Zahnreparaturen über zwei Jahre ziehen. Zumindest die Zahlungen sollten in einem Jahr erfolgen, um die zumutbare Eigenbelastung deutlich zu übersteigen und eine steuerliche Wirkung zu erzielen. Steht beispielsweise im Frühjahr die Anschaffung einer neuen Brille oder gar eines teuren Hörgerätes an und sind im lfd. Jahr bereits hohe Arztkosten angefallen, so sollte geprüft werden, ob das Vorziehen dieser Ausgaben zu einer zusätzlichen Steuererstattung führt.

Wichtig: Ihre persönliche Grenzsteuerbelastung in der Einkommensteuer sollten Sie kennen. Damit lässt sich einfach rechnen. Liegt diese beispielsweise (Einkommensteuer, Soli und Kirchensteuer) bei 40 %, so ist erkennbar, dass beispielsweise 1.000 € mehr Werbungskosten oder Instandhaltungskosten am Mietshaus zu 400 € weniger Steuern führen. Umgekehrt, führen höhere Einnahmen zu einer entsprechenden Mehrsteuerbelastung. Sprechen Sie hierüber ggf. mit dem Steuerberater Ihres Vertrauens.

ü  Kapitalanleger / Sparer

Bei den Einkünften aus Kapitalvermögen bleibt ein Betrag von bis zu 801 € (Sparerpauschbetrag) steuerfrei. Bei zusammenveranlagten Ehegatten / Lebenspartner verdoppelt sich dieser Betrag auf 1.602 € (§ 20 Abs. 9 EStG). Hierzu ist ein Freistellungsauftrag dem jeweiligen Anlageinstitut zu erteilen. Die maximale Summe der erteilten Freistellungsaufträge, darf den Sparerpauschbetrag (801 €/1.602 €) nicht übersteigen. Soweit die Freistellungsaufträge bis dato nicht optimal verteilt waren, sollte dies kurzfristig berichtigt werden, um zumindest für 2018 ein Ausnutzung der Sparerfreibeträge zu erlangen.

Beim Spekulieren/Handel mit Aktien-/Wertpapieren sollte geprüft werden, inwieweit durch die Realisierung von Verlusten diese mit steuerpflichtigen Gewinnen verrechnet werden können. Hierzu ist ein Verkauf der Papiere (Papiere mit fallenden Kursen) vor dem Jahreswechsel erforderlich. Soweit das Papier dennoch interessant ist, kann sofort ein Wiederankauf erfolgen. Ob sich dies lohnt, gilt es durchzurechnen.

Erfolgen Wertpapieranlagen bei verschiedenen Anlageinstituten und wurden bei einem Anlageinstitut bis dato nur Verluste (Aktien- / Fondsverluste, Optionen u.a.) erwirtschaftet, aber im gleichen Zeitraum bei einem anderen Anlageinstitut Gewinne erzielt, können diese auf einfachem Wege nicht miteinander verrechnet werden. Die Verluste werden vom Anlageinstitut automatisch in das nächste Jahr vorgetragen, soweit nicht bis zum 15.12. bei dem betreffenden Anlageinstitut ein Antrag auf Erteilung einer Verlustbescheinigung gestellt wird. Mit der Verlustbescheinigung kann dann eine Verrechnung mit den Gewinnen beim Anlageinstitut im Rahmen der Einkommensteuererklärung durchgeführt werden.

Wurden Lebensversicherungen vorzeitig gekündigt, so ist ebenso zu prüfen, ob die hierbei ggf. erzielten Verluste mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden können. Riester- und Rürup-Zahler sollten prüfen, ob die Höchstförderung ausgeschöpft wurde, oder noch Einzahlungen vor Jahresende sinnvoll sind.

 ü  Immobilieneigentümer als Vermieter

Hier können ggf. Ausgaben vorgezogen werden, um die Steuerlast im lfd. Jahr noch zu senken. Wichtig: Mietverträge mit Angehörigen, die steuerliche Wirkung entfalten, sollten überprüft werden. Werden die gewünschten Ziele noch erreicht? Bei einer steuerlich wirksamen Vermietung an Angehörige ist der Vergleich zur ortsüblichen Miete im Rahmen der steuerlichen Regeln im Auge zu behalten und sollte sicherheitshalber bei 70% - 75% der ortsüblichen Miete liegen. Im Einzelfall kann ab dem nächsten Jahr die unentgeltliche Überlassung unter Beteiligung an den tatsächlichen Ausgaben günstiger sein. Dies ist zu prüfen.

 ü  Heiraten vor dem Jahresende?

Das „Ja-Wort“ vor dem Jahreswechsel kann zu erheblichen Steuervergünstigungen bei der Einkommensteuer und Erbschaft-/Schenkungsteuer führen. Dies ist im Einzelfall zu prüfen. Wichtig ist, dass eine Hochzeit noch vor dem Jahresende einkommensteuerlich Wirkung für das ganze Jahr 2017 zeigt. Übrigens, auch Hochzeiten im Ausland, die noch im alten Jahr erfolgen und dann im neuen Jahr beim deutschen Standesamt eingetragen werden, entfalten steuerliche Wirkung für das Jahr in dem die Auslandshochzeit stattgefunden hat. Dies betrifft zumindest die klassischen Hochzeitsländer wie USA u.a. Im Zweifel sollte dies im Vorfeld geprüft werden. Dies als Hinweis, soweit die Zeit für eine Inlandshochzeit zu knapp wird.

ü Familien mit Kindern

zum 1.1.2018 wurden der Kinderfreibetrag und das Kindergeld geringfügig erhöht. Die genauen Beträge finden Sie auf unserer Homepage. Wichtig ist jedoch, dass ab 2018, das Kindergeld nur noch maximal für 6 Monate rückwirkend beantragt werden kann. Dies sollte bei Geburten beachtet werden, um keine Ansprüche zu verlieren.

Neue Düsseldorfer Tabelle für den Kindesunterhalt ab 1.1.2018

Dieter P. Gonze, Steuerberater

Letzte Änderung: 15.12.2017