Hausbesitzer

Einbauküche (Anschaffung/Reparatur)

Aufwendungen für die eigene Einbauküche in der Privatwohnung können zum Teil im Rahmen der steuerbegünstigten Handwerkerleistungen gem. § 35a EStG (Einkommensteuergesetz) steuermindernd geltend gemacht werden. Begünstigt sind die Handwerkerleistungen für die Montage und Reparaturleistungen der Küche und ihrer Küchengeräte soweit diese vor Ort im Haushalt des Steuerpflichtigen anfallen. Die Steuervergünstigung beträgt 20 % der angefallenen Lohnleistungen, Anfahrt- und Maschinenkosten maximal 1.200 € im Kalenderjahr. Beispiel: Montagekosten netto 250€, Anfahrtspauschale 50 € und Maschinenstunde für die Anpassung netto 60 €. Insgesamt: 360 € netto zuzüglich 19 % MWSt = brutto 428,40 €. Der Steuerabzugsbetrag, um den die eigene Steuerlast gemindert werden kann, beträgt demnach 20 % von 428,40 € = 86 €. Wohnungsvermieter können die Aufwendungen für eine Eigentumswohnung, die dem Mieter überlassen wird, d.h. zur vermieteten Wohnung gehört, in voller Höhe steuerlich geltend machen. Spannend ist die Frage, über welchen Zeitraum die Aufwendungen zu verteilen sind.

Starten wir mit der erstmaligen Anschaffung einer Einbauküche. Dies erfolgt in der Regel mit der Fertigstellung des Gebäudes oder der Eigentumswohnung. Bei der erstmaligen Anschaffung einer Einbauküche stellen die Aufwendungen Anschaffungskosten dar, die über die Nutzungsdauer zu verteilen sind (§ 6 Abs. 1 EStG). Im Gegensatz zu einer Heizungsanlage wurde die Einbauküche bis dato nicht als unselbstständiger Gebäudebestandsteil, sondern als eigenständiges einheitliches Wirtschaftsgut betrachtet. Nach bisheriger Praxis wurde die Einbauküche insgesamt, als Ausstattungsgesamtheit, über die Nutzungsdauer für Einbaumöbel von zehn Jahren zeitanteilig abgeschrieben. Kommt es über die Nutzungsdauer zu Reparaturen, sind diese als Werbungskosten im Jahr der Entstehung in voller Höhe abzugsfähig. Das gleiche gilt, soweit einzelne Teile / Elektrogeräte ersetzt werden. Dies war bis dato herrschende Praxis. Wird nach Ablauf des 10-jährigen Abschreibungszeitraums eine neue Küche angeschafft, so beginnt ein neuer 10-jähriger Abschreibungszeitraum. Denkbar wäre auch die Anschaffung einer komplett neuen Küche noch innerhalb des 10-jährigen Abschreibungszeitraums der ersten Küche. Auch in diesem Fall, beginnt ein neuer 10-jähriger Abschreibungszeitraum und die bisherige unverbrauchte Abschreibung der alten Küche wird im Jahr ihrer Entsorgung vollständig als Werbungskosten geltend gemacht.

Die Einbauküche wurde damit steuerlich anders behandelt als beispielsweise die Heizungsanlage oder die Haustür eines Gebäudes. Hierbei handelt es sich um unselbstständige Gebäudeteile. Die erstmalige Errichtung der Heizungsanlage (oder auch Haustür) wird als unselbstständiger Gebäudebestandteil über die Nutzungsdauer des Gebäudes (i.d.R. 50 Jahre) abgeschrieben. Folgerichtig stellen die Aufwendungen für die Erneuerung der Heizung innerhalb des Abschreibungszeitraums stets sofort abzugsfähige Werbungskosten dar. Zur Einbauküche erfolgte durch die Finanzgerichte eine abweichende Rechtsprechung. Das Finanzgericht Schleswig-Holstein zerlegt in seinem beim BFH-anhängigen Urteil vom 28.1.2015 die Einbauküche in verschiedene Wirtschaftsgüter. Einmal stellen der Herd und die Spüle unselbstständige Gebäudeteile dar, denn ohne Herd und Spüle ist das Gebäude nicht fertiggestellt. Damit wären Herd und Spüle bei der Neuanschaffung über die Nutzungsdauer des Gebäudes (i.d.R. 50 Jahre) abzuschreiben (§ 6 Abs.1 EStG). Im Gegenzug führt die Reparatur (Analog zum Beispiel Heizung) oder der vollständige Ersatz stets zu sofort abzugsfähigen Werbungskosten. Dies sieht auch der Bundesfinanzhof so. Die weiteren Elektrogeräte wie Kühlschrank, Dunstabzugshaube etc. stellen nach Auffassung des Finanzgerichtes selbstständige Wirtschaftsgüter dar, die über ihre übliche Nutzungsdauer von fünf Jahren oder als geringwertiges Wirtschaftsgut (bis netto 410 €) im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abzuschreiben sind (§ 6 Abs. 2 EStG).

Das Gleiche gilt für die Einbaumöbel, die über zehn Jahre abzuschreiben sind. Analog zum Beispiel der Einbauküche sind Reparaturen stets als Werbungskosten im Jahr der Entstehung voll abzugsfähig. Für Neuanschaffungen beginnt dann ein neuer Abschreibungszeitraum, soweit es sich nicht um geringwertige Wirtschaftsgüter handelt. Zwischen der Rechtsprechung des Finanzgerichts Schleswig-Holstein und der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes besteht in der Frage, ob für Küchenteile, die bereits vorhanden waren und  ersetzt werden, ein Anspruch auf sofortigen Abzug als Werbungskosten besteht Uneinigkeit. Hier bleibt die höchstrichterliche Rechtsprechung des BFH abzuwarten. Nach dem aktuellen Stand der Dinge kann die Einbauküche in drei Bereiche aufgeteilt werden. Herd und Spüle wären dann über die Nutzungsdauer des Gebäudes abzuschreiben. Die übrigen Elektrogeräte wie beschrieben über fünf Jahre und die Küchenmöbel über zehn Jahre abzuschreiben. Je nach Höhe der Anschaffungskosten stellt sich die Frage, ob sich der Aufteilungs- und Dokumentationsaufwand gegenüber der beschriebenen bisherigen Verfahrensweise überhaupt lohnt. Letztlich kann es auch entscheidend sein, ob es bei der Anschaffung der Küche um eine unteilbare Ausstattungsgesamtheit geht oder die Küche ohnehin in Einzelelementen (Möbel, Elektrogeräte) angeschafft wurde.

12.4.2016

Dieter P. Gonze, Steuerberater