Eltern/Kinder

Kindergeld: Einkünfte von Kindern ab 18

Ein Kind im steuerlichen Sinne wird mit Vollendung des 18. Lebensjahres steuerlich nur dann berücksichtigt, wenn es nicht über eigene Einkünfte zur Bestreitung des Lebensunterhalts verfügt die den Grenzbetrag von 8.004 € (bis 2009: 7.680 €) übersteigen. Dies gilt bis zum 31.12.2011.

Ab dem Jahre 2012 spielen die Einkünfte des Kindes, soweit die übrigen Abzugsvoraussetzungen erfüllt sind (Kind in Ausbildung, Alter etc.), keine Rolle mehr. Hierzu das BMF-Schreiben vom 7.12.2011.

In der Praxis handelt es sich hier um in Ausbildung befindliche Kinder, die im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben. Bis zum 21. Lebensjahr zählen hierzu auch Kinder, die sich zwar nicht in Ausbildung befinden, aber arbeitslos und arbeitssuchend sind.

 

Ermittlung der Einkünfte des Kindes (bis einschließlich VZ 2011)

Der Einkünftebetrag ist nach den steuerlichen Vorschriften zu ermitteln.

Bei Einkünften aus Arbeitslohn wie Ausbildungsvergütungen sind von den Einnahmen folgende Beträge abzuziehen:

  • Arbeitnehmeranteile zu Sozialversicherungsbeiträgen und ähnliche Aufwendungen

Der vom Arbeitgeber einbehaltene Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung (Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherung) steht dem Auszubildenden zur Bestreitung der Aufwendungen seines Lebensunterhaltes nicht zur Verfügung. Folgerichtig bleiben diese Beträge außer Acht (Entscheidung des BVerfG 11. 1. 2005 – 2 BvR 167/02).

Ist ein Kind freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung oder Mitglied einer privaten Krankenversicherung (keine Zusatzversicherung) sind die Einkünfte des Kindes auch um diese Beiträge - im Sinne der Gleichbehandlung zu den Arbeitnehmerpflichtbeiträgen bei der Sozialversicherung -  zu kürzen (Entscheidung des Bundesfinanzhof, BFH v. 16.11.2006 III R 74/05). Das gleiche gilt für die privaten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zur Abdeckung des Teils der durch die Beihilfe für Beamten/Beamtenanwärter nicht gedeckt ist (Entscheidung: BFH v. 14.12.2006, III R 24/06)

Beiträge zu privaten Zusatzversicherungen oder etwaige einbehaltene Lohn- und Kirchensteuer sind nach einer Entscheidung des BFH vom 26. 9.2007 – III R 4/07 jedoch nicht in Abzug zu bringen.

  • Werbungskosten

Bei Erhalt von Arbeitslohn wie Ausbildungsvergütungen etc. sind die tatsächlichen Werbungskosten oder der Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 € (ab 2011: 1.000€)  bei den Einnahmen in Abzug zu bringen. Hierzu gehören die Fahrtkosten zur Arbeit und dies sonstigen Werbungskosten wie Fachliteratur, Berufskleidung, Verbands-/Gewerkschaftsbeiträge, Kontoführungsgebühren etc.)

 

3.    Tabelle / Grenzbeträge 2007 – 2011:

 

Jahr / Einkünfte

2011

2010

2009

2008

2007

Höchstbetrag

8.004,00 € 

8.004,00 € 

7.680,00 €

7.680,00 €

7.680,00 €

           

Beispiele:

         

Arbeitslohn

11.200,00 €

10.200,00 €

10.800,00 €

10.800,00 €

10.800,00 €

AN-Pauschbetrag*

1.000,00 €

920,00 €

920,00 €

920,00 €

920,00 €

SV-Beiträge

2.385,00 €

2.385,00 €

2.300,00 €

2.300,00 €

2.300,00 €

Einkünfte

7.815,00 €

7.895,00 €

7.580,00 €

7.580,00 €

7.580,00 €

           

* oder tatsächliche Werbungskosten für Arbeitswegfahrten, Fachliteratur etc.

Anhand der groben Tabelle ist leicht zu erkennen, dass die Einkünfte des Kindes im Einzelfall erheblich höher sein können und doch noch Anspruch auf Kindergeld und kindbedingte Steuervergünstigungen besteht.

 

 4.   Steuerliche Auswirkungen / Änderungen der Steuerbescheide! 

Die Gewährung der kindbedingten Steuervergünstigungen des Einkommensteuerrechts, setzt den Anspruch auf Kindergeld voraus. Mit der rückwirkenden Gewährung des Kindergeldes, sind folglich die bisher für diese Jahre ergangenen Steuerbescheide zu ändern und zusätzlich die kindbedingten Steuervergünstigungen zu beantragen. Die Änderung der Einkommensteuerbescheide erfolgt als rückwirkendes Ereignis gem. 175 Abs. 1 Nr. 2 AO. Die Liste der kindbedingten Steuervergünstigungen ist umfangreich und umfasst u.a. die Berechnung des Solidaritätszuschlages, der Kirchensteuer, des Haushaltsfreibetrages bzw. Entlastungsbetrages für Alleinerziehende, den Ausbildungsfreibetrag, die Eigenheimzulage, das Baukindergeld gem. § 34f EStG u.a...

 

16. 1.2012

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