Rentner

Hinzuverdienstmöglichkeiten von Rentnern/Ruheständler

Ruheständler befinden sich oft, zumindest direkt nach dem „beruflichen Ausstieg“ im Unruhestand und sind, je nach Höhe ihrer Einkünfte, auch bereit sich die eine oder andere Hinzuverdienstmöglichkeit anzunehmen. Leider sind die bundesdeutschen Gesetze nicht so übersichtlich, dass dies unkompliziert und für den Laien überschaubar möglich ist. Welche Steuer- und Sozialabgabeverpflichtungen fallen an? – Muss ich eine Steuererklärung abgeben und mit Nachzahlungen rechnen? - Lohnt sich die Tätigkeit dann überhaupt noch. Solche oder ähnliche Fragen drängen sich dem Ruheständler auf. Für einen groben Überblick helfen einige der nachfolgenden Informationen und Überlegungen.

1.  Überprüfung der Hinzuverdienstgrenze aus Sicht des Rententrägers

Zunächst ist zu klären, ob es für den Rentenbezieher mit Blick auf den Rententräger Hinzuverdienstgrenzen gibt. Hinzuverdienste würden dann die Rentenansprüche des Rentners kürzen. Bei Altersrentnern besteht in der Regel keine Hinzuverdienstgrenze. Bei Vorruheständlern, Bezieher von Erwerbsunfähigkeits- und Witwenrenten und Zusatzversorgungen kann dies der Fall sein. Im Normalfall sind hier nur Hinzuverdienste bis 450 € (bis 2012: 400 €) monatlich unschädlich. Bei Beziehern von Teilerwerbsunfähigkeitsrenten oder gar einer Vollerwerbsunfähigkeitsrente besteht das Risiko, dass die Rente gekürzt oder vollständig gestrichen wird, wenn die Hinzuverdienstgrenzen nicht beachtet werden. Diese Frage der Hinzuverdienstgrenze sollte deshalb unbedingt im Vorfeld von einem Rentenbezieher mit der jeweiligen Rentenversicherung bzw. dem Rententräger genau geklärt werden. Dies kann oft auch telefonisch mit der zuständigen Stelle unter Angabe seiner Versicherungsnummer erfolgen.

2.  Möglichkeiten des Hinzuverdienstes aus steuerlicher Sicht 

  • Der Mini - Job

Die unkomplizierteste Möglichkeit etwas dazuzuverdienen ist die Annahme eines sogenannten 450-€-Jobs. In diesem Fall braucht der Rentner wegen dieser Nebentätigkeit keine Steuererklärung abzugeben. Alle zu leistenden Abgaben werden vom Arbeitgeber pauschal getragen. Beim Rentner kommen monatlich max. netto 450 € an. Beim Arbeitgeber entstehen – durch die vom Arbeitgeber zu tragenden Aufwendungen - Aufwendungen von ca. 585 € monatlich. Kompliziert wird es, wenn der Höchstbetrag von 450 € auf mehrere Arbeitgeber/Beschäftigungsstellen aufgeteilt werden soll. Typischer Fall sind Putz- oder Hausmeisterleistungen. Hier müssten die Arbeitgeber sich abstimmen um den Höchstbetrag nicht zu übersteigen. Erfahrungsgemäß funktioniert dies in der Praxis nicht.

  • Sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis ( + 450-€-Job)

Oft reicht der 450 € Job jedoch nicht aus und/oder der Rentner ist gleich für mehrere Arbeitgeber tätig. In diesem Fall könnte der Ruheständler einmal von der beschriebenen Regelung des 450-€-Jobs Gebrauch machen und beim zweiten Arbeitgeber gegen Vorlage der Steuerkarte im Rahmen eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses arbeiten. Bei geringen Einkünften sind die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Abgaben dennoch nicht hoch. Um beim zweiten Arbeitgeber ebenso rund 450 € netto zu erhalten, ist, je nach Steuerkarte, die Vereinbarung eines Bruttogehaltes von rund 490 € notwendig. Der Altersrentner zahlt selbst hier nur geringe Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung, so dass ihm netto 450 € verbleiben. Beim Arbeitgeber entstehen insgesamt monatliche Aufwendungen von ca. 585 €, so dass für den Arbeitgeber in diesem Fall keine nennenswerten Unterschiede zum 450-€-Job und der Pauschalregelung bestehen. 

Weitere Ausführungen unter: Mini-Job

  • Arbeiten als selbstständiger Unternehmer (Zeitungsverteiler, Hausmeisterdienste, Kurierfahrten etc.)

Auch als Unternehmer, beispielsweise bei Hausmeister, Kurier- oder Zeitungsdiensten, kann der Rentner aktiv sein. Bis zu einem Jahresumsatz von 17.500 € kann von der Kleinunternehmerregelung gem. § 19 Abs. 1 UStG (Umsatzsteuergesetz) Gebrauch gemacht werden. Dass heißt, es wird keine Umsatzsteuer berechnet und es ist damit auch keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen. Auch dies kann eine Möglichkeit sein mehr netto zu erlangen, da den Arbeitgeber in diesem Fall keine Abgabeverpflichtungen treffen und für den Unternehmer in den meisten Fällen keine Rentenversicherungspflicht besteht. Rentner ab 65 können zusätzlich den Anspruch auf den Altersentlastungsbetrag (§ 24 a EStG / Einkommensteuergesetz) nutzen, soweit dieser nicht bereits für andere Einkünfte (außer Versorgungsbezügen) ausgeschöpft wurde. 

  • Arbeiten für eine gemeinnützige Einrichtung, Beispiel: Sportverein

Wird der Rentner für eine gemeinnützige Organisation tätig, ist zu prüfen, ob er den Übungsleiterpauschbetrag von 2.400 € (§ 3 Nr. 26 EStG) jährlich oder die Ehrenamtspauschale von 720 € (§ 3 Nr. 26 a EStG) jährlich in Anspruch nehmen kann. Bis zu dieser Höhe wären die Zahlungen dann steuer- und sozialversicherungsfrei. 

  • Muss mit Steuernachforderungen gerechnet werden? – Besteht eine Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung?

Ob die über Steuerkarte abgerechneten Arbeitnehmereinkünfte zu einer Steuernachzahlung am Jahresende führen ist fraglich. Bezieht der Rentner nur Rente aus der staatlichen Rentenversicherung, so wird von dieser Rente nur der Besteuerungsanteil bei der Steuerveranlagung berücksichtigt. Dieser beträgt für alle Rentner, die bis einschließlich 2005 in Rente gegangen sind, ca. 50 % der Rente. Bei Rentner die im Jahre 2014 in Rente gehen, liegt der Besteuerungsanteil bei ca. 68 % der Bruttorente. Unter Berücksichtigung des Grundfreibetrages und der anrechnungsfähigen Krankenversicherungsbeiträge bleibt ein zu versteuerndes Einkommen eines Rentners von rund 9.000 € steuerfrei.

Bei Verheirateten verdoppeln sich diese Beträge. Bei einem Rentner, der im Jahre 2005 oder früher in Rente gegangen ist, müsste die staatliche Rente dann deutlich über 18.000 € im Jahr (1.500 € im Monat) liegen (bei Ehegatten insgesamt 36.000 €), um diese Grenze zu übersteigen. Vom Arbeitslohn, der über Steuerkarte abgerechnet wurde, im Beispiel 12 x 430 € = 5.160 € sind die Werbungskosten oder mindestens der Arbeitnehmerpauschbetrag mit 1.000 € abzuziehen. Bei der Besteuerung werden dann nur noch 4.160 € berücksichtigt. Neben den genannten Beträgen kann der Rentner oft noch seine Aufwendungen für Arzt- und Arzneikosten, einen etwaigen Behindertenpauschbetrag oder die Aufwendungen für Handwerkerleistungen in seiner Wohnung in Abzug bringen. Auch die Aufwendungen für eine Haushaltshilfe gehören dazu. Am Ende bleibt es erfahrungsgemäß in 7 von 10 Fällen bei Steuer „0“. Soweit es dann zu einer Steuerbelastung führt, startet diese mit einer Eingangssteuerbelastung von 14 % (+ Soli und ggf. KiSt) und führt zu einer i.d.R. nur geringen Steuernachforderung. Im Einzelfall ist hier ein vorheriger Steuercheck anzuraten.

 

 

Dieter P. Gonze, Stb.

21.11.2013

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